Race Across Germany 2015


Ein kleiner Bericht zum Race Across Germany (RAG) 2015

Wieso klein? Einfach aus dem Grund weil nahezu alles richtig gut und wie geplant lief. Somit würde der Bericht eigentlich nur aus Dingen bestehen wie: Er fuhr und fuhr und fuhr :)

Aber gut, ein bisschen möchte ich dann doch berichten.

Nachdem mein Team und ich am Mittwoch bereits in den hohen Norden gereist waren, stand Donnerstag der 09.07, ein Tag vor dem Start in Flensburg, ausschließlich im Zeichen der Vorbereitung des Rennens. Nach einem gemütlichen Frühstück gab es ein kurzes Teammeeting um die letzten Feinheiten abzustimmen. Die Ernährung war nach dem Frühstück schon auf Flüssignahrung umgestellt worden. Anschließend fuhr ich noch eine kurze Vorbelastung bevor ich anfing mich für das Rennen zu sammeln. Die Stimmung war sehr locker und wir freuten uns alle auf den Start.

Dann war es soweit, der Freitagmorgen (10.07.) war gekommen und ich fühlte mich bereit. Ich fuhr mit meinem Team zum Startpunkt, einem Ortsausgangsschild von Flensburg. Dort bereiteten wir noch das Rad vor und dann war es auch schon angerichtet. Die Uhr zeigte 8.14 Uhr und Dieter Göpfert, der Race Director, schickte mein Team und mich auf die 1100 Km lange Reise nach Garmisch Partenkirchen. Was soll ich sagen, die ersten zwölf Stunden verliefen perfekt, teilweise Rücken- und Seitenwind, eine flache Strecke, eine optimale Ernährung, eine optimale Form und viel Motivation ließen uns förmlich Richtung Süden fliegen. Knapp 230 Watt lagen durchgängig an und erlaubten mir einen Schnitt von 34,5 km/h. Mit dieser Leistung hatte ich schon einige Stunden nach dem Start alle vor mir gestarteten Einzelstarter überholt und ich lag somit in Führung. Vor Beginn der Nacht erlaubte ich mir einen Powernap inkl. Kleidungstausch und Lichtmontage. Dabei wurde ich wieder von einem Fahrer eingeholt, zu dem ich dann aber schnell wieder aufschließen konnte in der Nacht. Der andere Athlet, Michael Westerhaus, und ich fuhren, wie auch beim RAAM erlaubt, ein paar Km nebeneinander her und quatschen ein wenig um uns die Nacht erträglicher zu machen. Später entschied ich mich mein Tempo wieder zu fahren und übernahm die Führung. In der Nacht ging es am Harz vorbei in Richtung Werratal. Das Terrain war somit deutlich anspruchsvoller als im Norden und die kleinen schmalen Abfahrten und Ortsdurchfahrten konnten nicht voll gefahren werden wie am Tag, dies wäre zu gefährlich geworden. Daher sank der Schnitt auch ein wenig, aber wir waren immer noch richtig gut unterwegs. Kurz vor dem Werratal machte ich im Morgengrauen eine etwas längere Schlafpause von 45 Min um danach frisch weiter zu fahren. Nach 24 Stunden waren circa 660 Km geschafft. Somit noch 440 zu fahren. Und diese „zweite“ Hälfte sollte dann doch nicht ganz so super glatt verlaufen, wie die Erste. Auf das Werratal folgte die Rhön, und die hatte es in sich. Ein scheinbar endloses Teilstück zwischen Dorndorf und Neustadt an der Saale sollte mich zum ersten Mal auf die Probe stellen. Dieser Abschnitt war alles andere als ein „Roller“-Stück. Ich trat weiterhin meine Leistung (um die 200 Watt) und das war auch der Schlüssel zum Erfolg. Nur so kam ich noch einigermaßen vorwärts und die Straße wollte dann doch irgendwann enden. Die Leistung hielt ich noch bis Kitzingen am Main aufrecht, doch dort sollte mir langsam der „Saft“ ausgehen. Die Temperatur stieg im Anstieg vom Maintal Richtung Uffenheim auf 40 Grad Celsius und ließ mich förmlich explodieren. Das zuvor eingehaltene Pausenmanagement war nicht mehr praktikabel. Wir schleppten uns noch in ein kleines Dorf und suchten einen schattigen Platz um mich runter zu kühlen. Wichtig zu wissen ist, dass Wir bis zu diesem Zeitpunkt immer noch in Führung lagen und wir waren mittlerweile fast bei Rennkilometer 800 angelangt. Doch während sich mein Team hervorragend um mich sorgte und versuchte mich wieder auf die Strecke zu schicken wurden wir von einem Fahrer überholt, doch dies kümmerte mich wenig. Wichtig war es, dass Ich wieder in Tritt komme und meine Leistung auch bei der Hitze abrufen kann. Auf dem weiteren Weg nach Ansbach fing es wieder an richtig zu laufen, mein Team hatte klasse Arbeit geleistet und wir waren alle zuversichtlich, dass wir die Führung wieder übernehmen. Und so kam es auch. Vor Ansbach sammelte ich dann weitere Führungskilometer. Es müssten bis dahin rund 600 oder mehr zusammengekommen sein. In Ansbach entschied ich mich vorsichtshalber noch einmal für eine kurze Pause um sicher zu Stellen, dass mir die Hitze nicht noch einmal zusetzt. In diesen Minuten wurde ich gleich von zwei Fahrern überholt, welche ich bis zum Ende auch nicht mehr sehen sollte. Wir fuhren dann zügig weiter um dennoch den Anschluss erst einmal nicht zu verlieren. Da es langsam dämmerte und die Temperaturen zurück gingen lief es noch einmal recht gut, doch das Gefühl täuschte. Vor einem längeren Anstieg war es wieder soweit: Leistungsabfall. Mein Team gab sein bestes um mich den Berg noch hoch zu bekommnen, denn danach wartete meine geplante letzte Schlafpause. Meine Betreuer liefen neben mir den Berg hoch, sprachen mit/zu mir und machten mir so den Anstieg leichter, sodass ich nach einer Abfahrt meine Pause antreten konnte. Dort wurde ich wieder vollkommen umsorgt und nach einem letzten Kleidungswechsel ging es in der Dunkelheit weiter. Es warteten noch knapp 200 Km auf mich, wofür ich 10 Stunden Zeit hatte um in der RAAM Quali-Zeit zu bleiben. Mit dieser Vorgabe versuchte ich noch mal richtig Druck zu machen, aber schnell meldete sich eine Sehne am linken Knie. Das treten im Sitzen oder Liegen am Lenker wurden immer schwerer. Starke Müdigkeit setzte ein, trotz der gemachten Schlafpause. In einem kleinen Ort zwischen Augsburg und dem Ammersee ging ich noch einem zu meinem Team ins Begleitfahrzeug für 15 Min. Nach diesem kurzen erholsamen Schlaf ging es mit der Müdigkeit, doch nicht mit den Schmerzen. Die letzten 100 Km waren eine Qual, zwar wurde es langsam hell, landschaftlich wurde es immer schöner und man konnte die Berge schon sehen, aber das Knie machte immer mehr Probleme. Ich fuhr 90% im Wiegetritt und das über mehrere Stunden, da das Problem so geringer war als sitzend am Sattel. Das Problem war, so doof es sich anhört, leider nur das Knie. Ich hatte keine Sitz-/Rücken oder sonstige Beschwerden und mit einem intakten linken Bein wäre vermutlich noch mehr drin gewesen, als das was ich eh schon im Ziel erreichen sollte. Ich konzentrierte mich nur noch auf jeden Tritt und versuchte die Restdistanz immer weiter zu verringern. Und dann war es endlich so weit: Die letzten 1000 Meter. Mein Team fuhr neben mich und ich versuchte noch ein lächeln aus meinem Gesicht zu zaubern, doch das gelang mehr schlecht als recht. Auf den letzten Metern realisierte ich dann was WIR geleistet hatten und wem ich diesen Erfolg zu verdanken habe. Am Ortsschild in Garmisch versammelten Wir uns und beglückwünschten uns Gegenseitig zu dieser fantastische Leistung. Wir erreichten das Ziel nach 47 Stunden und 41 Minuten, somit war die RAAM-Quali geschafft. Zudem noch jüngster Finisher, 3. Platz gesamt und 2. Platz AK. In diesem Moment konnte ich alle Strapazen, besonders die der letzten 12 Stunden vergessen und die Freude überwiegte. Einfach Sensationell!!!

 

Das RAG 2015 in Zahlen:

Strecke: 1111 Km

Höhenmeter: 7577

Gesamtzeit: 47h 41m

Gesamtschnitt: 23,3 Km/h
Nettofahrzeit: 37h 40m

Nettoschnitt: 29,5 Km/h

Kalorienverbrauch: 24200

Watt-Schnitt: 188

Ein Nachwort zu meine Team: Ein besseres hätte ich mir nicht wünschen können und ich bin euch sehr dankbar, dass Ihr mit mir den langen Weg gegangen seid, denn dieser begann schon weit vor dem Rennen. Ihr habt mich bis ins Ziel getragen und mir alles ermöglicht. Ihr habt einen großen Anteil an diesem Erfolg und die Freude am Ende zeigt, dass wir sehr gut zusammen funktioniert haben. Vielen Dank!


Impressionen sind hier zu finden: --> zur Bildergalerie

 

Vielen Dank an meine Sponsoren: