Bericht zur 24h Schinderei in Hitzendorf:

 

Vorwort:

Nachdem die Saison Ende April durch den Sturz und den daraus resultierenden Armbruch erst sehr stark ins Wanken geraten war, bin ich nun überglücklich über diesen sensationellen Ausgang der 24h Schinderei.

 

Anreise und Vorbereitung:

Ich und mein guter Freund und Trainingspartner Felix sind am Freitag gegen Mittag an der Kirschenhalle in Hitzendorf angekommen. Von da an waren es noch 6 Stunden bis zum Start, in denen nicht mehr viel passiert ist. Wir haben die Startunterlagen geholt, uns lange entspannt auf eine Couch gesetzt und schon mal die Konkurrenz beobachtet.

Um 17:45 Uhr stand ich dann in der Startaufstellung. Felix kam dazu und wir haben noch mal kurz über alles gesprochen und dann ging es auch schon los.

 

Der Rennablauf:

 

18 Uhr es war soweit, der neutrale Start war erfolgt und es warteten 24 Stunden Rennradfahren auf mich. Auf dem kurzen 3,85 Km Kurs ging es die ersten Stunden extrem schnell zur Sache, die Teamfahrer, unter Ihnen auch Christoph Strasser machten das Rennen schnell. Die NP Leistung war schnell jenseits der 300W, aber es lief trotz eines Problems mit meinem Licht, welches mich eine Runde kostete. Ab 20 Uhr war es vollkommen dunkel und uns stand eine 10 Stunden  lange Nacht bevor. Da die Nacht feucht und kalt war bekam ich Nackenprobleme, welche ich mit einem Halstuch beheben konnte. Dies kostete jedoch wertvolle Zeit, aber da die Beine ja gut waren ging es recht zügig alleine weiter. Mitten in der Nacht sah ich links in der Wechselzone Christoph Strasser für seine Ablöse bereit stehen. Ein Motivationsschub für mich der unbeschreiblich war. Ich klemmte mich in seinen Windschatten und fuhr an Felix vorbei, ich fragte Ihn, ob ich dahinter bleiben soll, doch der Renninstinkt in Ihm und mir sagten, dass es gut sei dran zu bleiben. Im gleichen Moment hörte ich von vorne Christoph sinngemäß rufen: Na sicher, dranbleiben!
In den Runden mit ihm machte ich wertvolle Zeit wieder gut und schloss auf die Führenden Einzelfahrer auf. Als Solist ging es für mich in die Morgendämmerung, die ich bereits sehnlichst erwartet hatte.

Meine Rundenzeiten waren gut und lagen auch immer noch über 30km/h im Schnitt. Und da alles zusammenpasste überholte mich in dieser Zeit auch wieder der Strasser-Express und natürlich war ich wieder sein Begleiter für mehrere Runden im Windschatten. Zu diesem Zeitpunkt lag ich immer zwischen Platz 4 oder 5. Die ersten drei, Rainer Steinberger (Glocknerman Sieger), Julian Eisenbeis (RAAM Finisher) und Manuel Geyer (RAA-Finisher) hatten doch schon einen größeren Vorsprung.

Gegen Mittag sah ich dann den drittplazierten Manuel, der plötzlich sehr langsam unterwegs war. Wir wechselten ein paar Worte, doch Ihm ging es nicht sonderlich gut und bekam kaum mehr Druck aufs Pedal. Ich habe versucht Ihn zu motivieren an mir dran zu bleiben, auch wenn es ein Konkurrent war. Bei 24 Stunden Rennen ist die Mentalität ein wenig anders als bei Straßenlizenzrennen und man muss zusammenarbeiten, da sonst die 24 Stunden extrem lang werden können!
Aber es war nicht möglich, sodass ich weiterhin alleine blieb und immer noch gute Rundenzeiten fuhr. Felix machte einen super Job am Streckenrand und gab mir in jeder Runde was mit auf den Weg, wie z.B. motivierende Worte, Rundenzeiten oder auch mal einen kurzen Witz, der mich trotz der Anstrengung immer wieder lachen lies. Ohne das wäre ich schon lange nicht mehr konstant gut gefahren, doch uns beiden war bewusst, dass nun sogar Platz 3 möglich ist. Die Anfeuerungen und Zurufe wurden daher immer energischer und ich begann den Rückstand auf Platz 3 zu minimieren. Felix gab mir wieder einen Zwischenstand durch und ich hatte noch 1 Runde Rückstand zu Platz 3. Außerdem sagte er mir ich solle mich in eine Gruppe reinhängen, die hinter mir fuhr. Diese Gruppe bestand aus 12H Fahrern. Das Tempo der Gruppe war hoch, doch die Fahrweise war ideal für mich. Ich war der einzige 24H Fahrer, der das Tempo noch mitgehen konnte. Die 12H Fahrer hatten mitbekommen, dass ich 24H Fahrer war und hielten mich nahezu vollkommen aus der Führungsarbeit raus.

 

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch ca. 4 Stunden vor mir. Da die Gruppe super funktionierte spulten wir Runde für Runde ab und verkleinerten den Rückstand zu Platz 3. In einer Runde informierte mich Felix darüber, dass ich immer noch eine Runde Rückstand hätte, was mir komisch vorkam, da ich den drittplatzierten doch schon zweimal überrundet hatte. Nun ja, da es gut lief fuhr ich weiter mit den Jungs zusammen und überholten wenige Runden später wieder meinen direkten Gegner. Dies wiederholten wir anschließend noch ein weiteres Mal und nach meiner Rechnung hatte ich nun 1 Runde Vorsprung. Aus diesem Grund lies ich die Gruppe ziehen und wollte nur noch meinen direkten Gegner beobachten und Platz 3 sicher ins Ziel fahren. Als ich dann wieder bei meinem Betreuer vorbeikam traue ich meinen Ohren nicht. Er sagte mir, ich habe immer noch eine Runde Rückstand. Ich war geschockt, denn es waren nur noch zwei Stunden zu fahren und alleine eine Runde rauszufahren erschien mir unmöglich. Die Schocknachricht setzte noch einmal Kräfte in mir frei und ich nahm die Verfolgung der 12H Fahrer Gruppe auf, welche ca. 30 Sekunden vor mir lag. Es folgten 1,5 harte Runden, bis ich die Gruppe wieder eingeholt hatte. Ich konnte die Gruppe noch knapp eine Stunde halten und überholte den „drittplatzierten“ noch ein weiteres Mal. Anschließend bedankte ich mich für den Windschatten und lies die Jungs fahren. Als ich dann wieder bei Felix vorbeifuhr blieb ich kurz stehen und ich vergewisserte mich noch mal, dass ich nun auf Platz 3 bin. Mit der Antwort, die mir dann entgegenkam rechnete ich jedoch nicht: „Ja du hast jetzt drei Runden Vorsprung“. In diesem Moment hätte ich Felix umhauen oder umarmen können. Ich fuhr sofort weiter und spulte in der letzten Stunde zuerst noch ein paar schnelle Runden ab, bevor ich ein halbe Stunde vor Schluss anfing mich „auszufahren“. In den vier letzten entspannten Runden lies ich das gesamte Rennen Revue passieren. Die Tatsache, dass mein Betreuer mir falsche Angaben gemacht hatte in Bezug auf meinen Rückstand/Vorsprung lies mich nun schmunzeln. Ihm hatte ich es zu verdanken, dass ich das Ende des Rennens genießen und mich über Platz 3 freuen konnte. In meiner letzten Runde schloss ich dann sogar noch mal zu Max Kitzinger, welcher mir einen harten Kampf ums Podest lieferte, auf und wir konnten ein paar Worte wechseln. Wir beide waren super zufrieden mit unserer Leistung und gratulierten uns gegenseitig. Ein klasse Sportsmann!
Dann war es endlich soweit. Der letzte Zieleinlauf, das letzte Mal durch das Fahrerlager und es war geschafft. Mitten im Fahrerlager blieb ich stehen, Felix kam direkt dazu und wir freuten uns gemeinsam extrem über den Erfolg. Das mit Abstand jüngste Fahrer-Betreuer-Duo hat es auf Platz 3 geschafft. Platz 1 und 2 (Rainer und Julian) kamen auch dazu und nach dem gegenseitigen Beglückwünschen stellten wir fest, dass es ein rein Deutsches Podium bei der 24H Solo Wertung geben wird.

Siegerehrung:

Nach kurzer Erholung und einer Dusche folgte die Siegerehrung. Das erste Mal in meiner kurzen Radsportkarriere, dass ich bei einem Langstreckenrennen aufs Podium kam. Es war ein super Gefühl.
Da ich im Rennen die schnellste Runde aller Einzelfahrer gefahren hatte durfte ich ein zweites Mal alleine auf dem Podium stehen. Im Anschluss an die Siegerehrung, als die meisten schon weg waren, blieben wir noch da und ich hatte die Gelegenheit ein wenig mit Christoph Strasser zu sprechen. Es war wirklich super und auch er ermutigte mich nicht aufzugeben, auch wenn viele sagen, dass es in solch einem jungen Alter nicht förderlich/sinnvoll sei, sich auf die Langstrecke zu begeben. Dies war eine Bestätigung für mich und ein super Abschluss des gesamten Events!

Das Rennen in Zahlen:

 

Strecke: 745,6 Km

Höhenmeter: 7449

Gesamtzeit: 24:00H

Gesamtschnitt: 31,07 Km/h
Nettofahrzeit: 22H 55M 51S

Nettoschnitt: 32,55 Km/h

Kalorienverbrauch: 16600

Watt-Schnitt: 202 (NP: 237)